Das Märchen von der Stromlücke - Atomlobby skizziert Schreckgespenst

Das Märchen von der Stromlücke

  Gesucht wird: die Energiewende. Statt in neue Energieformen zu investieren, skizziert die Atomlobby lieber das Schreckgespenst von "Deutschland geht der Strom aus" - ein reines Märchen.

Es war einmal eine Kanzlerin, die machte sich auf, ihrem Land eine Energiewende zu verordnen. Statt steinzeitlicher, gefährlicher Atomkraftwerke - sollten nun vor allem die erneuerbaren Energien für reichlich sauberen Strom sorgen.

Gut, so ganz freiwillig war die Abkehr von der Kernkraft nicht. Die Welt sah geschockt nach Japan. Fukushima wurde zum Sinnbild für die Unbeherrschbarkeit einer Technologie. Der Widerstand gegen Atomkraft wuchs von Tag zu Tag.

Auch im Land der Kanzlerin. Und die sah ein: Mensch, Atomkraft ist doch nicht so klasse.

Es lebe die Energiewende

Seit gut einem halben Jahr lebt Deutschland mit diesem verordneten Atomausstieg. Die Bevölkerung ist mehrheitlich begeistert. Die Anhänger der Atomlobby und Teile der Wirtschaft nicht. Die großen Energieversorger trauern der billigen Atomkraft nach und den damit verbundenen Milliardengewinnen. Nur wenige von ihnen nutzen den Ausstieg, um verstärkt in die erneuerbaren Energien zu investieren. Und immer wieder wird ein Schreckgespenst an die Wand gemalt: Deutschland geht der Strom aus - ohne Atomkraft drohe der Blackout.

"Unsinn", sagt Umweltminister Norbert Röttgen im ZDF: "Die Energiewende hat den Härtetest bestanden." Trotz klirrender Kälte könne Deutschland sogar Strom exportieren.

"Die derzeitige Versorgungssituation ist angespannt, aber stabil." Das sagt auch Philipp Rösler, der FDP- Wirtschaftsminister. Berichte, wonach ein Krisenstab in seinem Ministerium wegen einer angespannten Stromlage eingerichtet worden sei, stimmten nicht, erklärt Rösler.

Traditionell liegt das Wirtschaftsressort eher auf der Atomstromlinie. Der Ausbau der erneuerbaren Energien - und die damit verbundenen Subventionen sind Rösler ein Dorn im Auge. Da liegt er mit Röttgen im Clinch. Hier liegt die Energiewende auf Eis. Und auch die Bundesländer streiten mit der Bundesregierung übers Geld. Bei den Kosten der energetischen Gebäudesanierung wollen die Länder, dass der Bund sich stärker beteiligt.

Unterm Strich bleibt festzuhalten:

Nein, Deutschland hat kein Energieproblem - keine Stromlücke und keinen Versorgungsengpass. Vielmehr ist die Politik gefragt.

Kommentar von Andreas Huppert, am 13.02.2012 aus heute.de